Die effektivsten agilen Teams sind kleine, wendige Gruppen mit 5 bis 7 Personen mit unterschiedlichen, aber sich überschneidenden Kompetenzen. Durch diese Struktur kann das Team enge, vertrauensvolle Beziehungen aufbauen, die verschiedene Fähigkeiten nutzen und die Arbeitskapazität des Teams steigern. Manchmal gehen die für ein Projekt erforderlichen Kompetenzen jedoch über das hinaus, was das Team gemeinsam zu bieten hat.

Dann kommen Spezialisten ins Spiel. 

Generalisten und Spezialisten

Normalerweise gehören die Menschen, mit denen wir arbeiten, einer von zwei Kategorien an: Generalisten und Spezialisten. Inwiefern unterscheiden sie sich?

  • Generalist: Person mit einem breiten Know-how, die in verschiedenen Bereichen arbeiten kann
  • Spezialist: Person mit einem tiefgehenden und einzigartigen Wissen in einem bestimmten Schwerpunktbereich

Bei vielen agilen Methoden wird befürwortet, dass alle Teammitglieder Generalisten werden sollen (mehr zu den Gründen dafür findest du in unserem Artikel zu agilen Teams). Manchmal ist es jedoch aus den folgenden Gründen sinnvoll, dass ein Team die Hilfe eines Spezialisten in Anspruch nimmt:

  • Eine bestimmte Kompetenz ist nicht in Vollzeit im Team erforderlich.
  • Das Unternehmen verfügt über eine begrenzte Zahl von Mitarbeitern mit einer bestimmten Kompetenz und diese werden in verschiedenen Teams eingesetzt.
  • Für die Arbeit in einem Bereich ist eine bestimmte Autorisierung erforderlich, zu der das allgemeine Team keinen Zugang hat.

In diesen Fällen macht es Sinn, für einen bestimmten Zeitraum einen Spezialisten in das Team zu holen. Dies bringt jedoch einige Herausforderungen mit sich. 

Erkennen der Herausforderungen mit Spezialisten

Da Spezialisten nur einen bestimmten Zeitraum im Team verbringen, werden sie schnell zu einem kritischen Pfad und blockieren manchmal den Fortschritt des gesamten Teams. Wenn sich ein Team beispielsweise auf einen Datenbankadministrator verlässt, der Änderungen an der Datenbank vornehmen soll, um neuen Code bereitzustellen, wird der Teamfortschritt durch den Datenbankadministrator blockiert. Wenn das Team nicht weiterarbeiten kann, weil es einen Input von diesem Spezialisten benötigt, wird der Arbeitsfluss unterbrochen. Da der Spezialist der Einzige im Team mit der erforderlichen Kompetenz ist, muss das Team warten, bis der Spezialist die Blockade aufhebt.

Spezialisten bringen eine Menge Kontextwechsel mit sich: ein Projekt wird beendet, ein anderes angefangen. Und das Wechseln zwischen Projekten hat seinen Preis. Da Spezialisten ein Projekt fast nie so gut wie die Kernteammitglieder kennen, entgehen ihnen möglicherweise wichtige Details. Das Kernteam muss also zusätzliche Energie aufbringen, um den Spezialisten auf dem Laufenden zu halten.

Tipps für das Arbeiten mit Spezialisten

Sehen wir uns die drei Tipps zur Bewältigung von Hindernissen bei der Zusammenarbeit mit einem Spezialisten an. 

1. Definiere deutlich, was vom Spezialisten erwartet wird.

Wenn du erkennst, dass du einen Spezialisten hinzuziehen musst, denke einen Moment darüber nach, was du genau brauchst. Überlege, um welche Art von Arbeit es sich handelt und welches Wissen erforderlich ist. Damit wird sichergestellt, dass das Team den richtigen Spezialisten bekommt und der Spezialist genug Zeit mit dem Team verbringt, um seine Arbeit erfolgreich abzuschließen. Eine unrealistische Einschätzung der Zeit und Kompetenzen, die vom Spezialisten erwartet werden, führt sowohl für dein Team als auch für den Spezialisten zu einem Misserfolg. 

2. Sorge dafür, dass das Wissen des Spezialisten an das Team übertragen wird.

In agilen Teams dreht sich alles um sich überschneidende Kompetenzen. Wenn ein Spezialist mit dem Team arbeitet, plane Zeit für eine Schulung des Kernteams durch den Spezialisten ein, damit das von ihm eingebrachte Wissen nicht komplett verloren geht, sobald er das Team wieder verlässt. Dafür gibt es einige effektive Methoden:

  • Paarprogrammierung: Bei der Paarprogrammierung arbeiten zwei oder mehr Teammitglieder in Echtzeit an einem bestimmten Bereich des Projekts zusammen. Alle Beteiligten können Fragen stellen und in die Arbeit einbezogen werden.
  • Code-Review: Beim Code-Review überprüft ein Kernteammitglied die vom Spezialisten abgeschlossene Arbeit, um die Änderungen zu verstehen. Da der Schwerpunkt bei Code-Reviews eher auf dem Warum als dem Wie liegt, sind diese für Schulungszwecke weniger effektiv als die Paarprogrammierung.
  • Brown Bags: Brown Bags sind informelle Sitzungen, in denen Spezialisten ihr Wissen mit einer Gruppe von Personen teilen. Dies ist eine effiziente Methode, um das ganze Team zu schulen.

Das Ziel ist, die Autonomie des Teams zu stärken. Durch den Wissenstransfer erhält das Kernteam mehr Kontext für die Betreuung der Bereiche, für die der Spezialist verantwortlich war. Damit wird die Abhängigkeit von diesem Spezialisten in Zukunft geringer.

3. Sorge dafür, dass der Spezialist nicht fortlaufend erforderlich ist.

Wenn Spezialisten ihr Engagement für ein Team beenden, ist es wichtig, Service-Level-Agreements zwischen dem Team und dem Spezialisten festzulegen. Lege fest, wann und unter welchen Umständen das Team den Spezialisten möglicherweise erneut einbeziehen muss. Die Ausarbeitung von Hilfsmaterialien, in denen typische Szenarien aus dem Bereich des Spezialisten aufgeführt sind, können dem Team mehr Kontrolle über das eigene Schicksal geben, indem es Herausforderungen selbst meistert. 

Profitipp: Bei Atlassian konzentrieren wir uns auf den Ausbau von Kompetenzen für Generalisten. Um beispielsweise das Design aus der Kategorie "Spezialist" zu entfernen, haben wir greifbare Methoden für Entwickler und Product Owner entwickelt, die ihnen helfen, ihre Designkompetenzen zu erweitern. Weitere Informationen findest du in unserem Artikel zu agilem Design

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